Designer
Benjamin Gintoki über den Weg zu Nora Blatt, das Atelier und die Objekte, die dort entstehen.
Wenn Sie das hier lesen, suchen Sie die Person hinter der Marke. Genau so soll es sein.
Ich heiße Benjamin Gintoki und bin Gründer und Designer von Nora Blatt. Die Vasen und Objekte werden nicht getöpfert und nicht gegossen. Sie werden gedruckt. Was die Maschine übernimmt und was danach am Objekt passiert, benenne ich beides.
Das Atelier liegt im Süden Deutschlands. Hierher kam ich wegen der Arbeit, kurz nach der Lehre — über zwanzig Jahre ist das her. Es ist nicht meine Heimat, es ist mein Werkstattort. Nicht alles muss im Zentrum entstehen.
Beruflich komme ich aus der Industrie. Ich arbeite an hochautomatisierten Fertigungsanlagen — Mechanik, Steuerungen, Inbetriebnahme. Das meiste davon habe ich nicht im Seminarraum gelernt, sondern an der Maschine. Das prägt, wie ich entwerfe: Ich messe, teste, ändere, bis es stimmt. Eine Vase muss sicher stehen, sie muss Gewicht haben, der Schwerpunkt muss sitzen. Das klingt nüchtern, aber genau daraus entsteht die Ruhe, die man dem fertigen Objekt später ansieht.
Gestaltung hat mich immer beschäftigt, auch ohne dass sie je in einem Zeugnis stand. Design, Form, gute Mode — ich habe dafür ein Auge, ohne es studiert zu haben. Was mich interessiert, ist nicht der Name auf dem Etikett: Eine alte Arbeitsjacke kann mir mehr bedeuten als Luxus, wenn Form, Material und Haltung stimmen. Dinge, die man spürt, bevor man sie erklären kann.
Meine erste Maschine war ein alter Anet A8 — ein 3D-Drucker, der einem die Grundlagen auf die harte Tour beibringt. Über zehn Jahre ist das her. Heute arbeite ich mit präziseren Systemen, aber die wichtigste Erfahrung ist geblieben: Eine Maschine ist nur so gut wie der Mensch, der sie versteht. Alles dazwischen — Gestaltung, CAD, Materialverhalten, Oberflächenbehandlung — habe ich mir selbst beigebracht.
Nora Blatt ist der Punkt, an dem beides zusammenkommt: die Jahre an den Maschinen und das Auge für Form. Hier entstehen eigene Entwürfe, hier entscheide ich über Silhouette, Material und Oberfläche. Das ist der Teil meiner Arbeit, den ich mir selbst aufgebaut habe — und der Grund, warum es diese Marke gibt.
Wie ein Gefäß entsteht, steht ausführlich auf der Seite Materialwelten. Kurz: digital entworfen, teils mit Hilfe von KI, dann im FDM-Verfahren gedruckt. Was aus der Maschine kommt, ist ein Rohling — nicht mehr. Jedes Teil geht danach einzeln durch meine Hände: Kanten und Übergänge nachgearbeitet, beschwert, geprüft. An dieser Stelle entscheidet sich, ob ein Stück rausgeht. Erst was die Kontrolle besteht, bekommt seinen NFC-Chip und wird verpackt.
Nora Blatt entsteht langsam. Schicht für Schicht — das ist hier keine Metapher. Mit Zeit, Aufmerksamkeit und ohne Abkürzungen. Jede Vase, die das Atelier verlässt, hatte ich vorher in der Hand.
— Benjamin Gintoki
Benjamin Gintoki ist der Designname von Benjamin Grigo, Gründer und Geschäftsführer der Nora Blatt UG.