Material und Technik

Woraus die Gefäße bestehen und wie sie entstehen.

Neun Colorways in zwei Reihen. Stone hält seinen Ton über Jahre, Metal verändert sich mit der Zeit. Keiner ist lackiert, keiner beschichtet — die Farbe steckt im Material.

Die Marke ist jung. Die Erfahrung dahinter nicht: Benjamin Gintoki druckt seit über zehn Jahren, vom ersten Bausatzdrucker bis zur heutigen Kleinserie.

Stone

Fünf Töne aus mineralischen und pflanzenbasierten Werkstoffen.

Zwei der fünf enthalten echtes Gesteinsmehl im Filament. Das verändert die Oberfläche spürbar: Sie wird glatter und deutlich glanzloser als bei üblichen Druckwerkstoffen, das Licht bricht sich nicht, sondern legt sich auf die Fläche. Die anderen drei kommen aus Biokompositen — ihre Farbe steckt ebenso im Material, wird aber nicht durch Gestein getragen.

Mit Gesteinsmehl

Granite

Neutralgrau mit echtem Gesteinsmehl im Filament. Sehr hell, glanzlos, glatt in der Hand. Kein Sprenkelmuster, wie der Name vermuten lässt — die Gesteinsanteile wirken über die Oberfläche, nicht über Zeichnung.

Clay

Grau mit warmem Unterton, ebenfalls mit echtem Gesteinsmehl. Der Ton wandert mit dem Tageslicht: morgens kühler, am Abend deutlich erdiger.

Ohne Gesteinsmehl

Brick

Ein erdiges, gebranntes Braun. Nicht rot, nicht Terrakotta-orange — näher an dunklem Lehm nach Regen als an einem Ziegel in der Sonne.

Pumice

Ein helles, gesprenkeltes Grau mit feinen dunklen Punkten in der Oberfläche — anders als bei Granite steckt hier tatsächlich die poröse, unruhige Optik, die der Name Pumice verspricht. Das hellste der drei Colorways ohne Gesteinsmehl, mit spürbar mehr Struktur als Glätte.

Serpentine

Ein tiefes, gedecktes Grün mit Grauanteil. Der farbigste Ton der Stone-Reihe, aber weit entfernt von einem Signalgrün — er liest sich eher als dunkler Stein, der in Grün kippt.

Metal

Vier Töne mit echten Metallpartikeln im Korpus.

Das Filament enthält fein gemahlenes Metall, das im gedruckten Stück verbleibt. Die Stücke sind dadurch schwerer als vergleichbare Werkstoffe, kühler beim Anfassen und optisch metallisch — nicht metallisch lackiert.

Kein Metal-Stück verlässt uns so, wie es aus dem Drucker kommt. Jede Oberfläche wird nachbehandelt, bis das Metall im Material sichtbar wird — bei Brass, Bronze und Copper als Patina, bei Iron als Rost. Jede Fläche nimmt die Behandlung anders an, deshalb sieht kein Stück aus wie das nächste.

Versiegelt wird nichts. Die Oberflächen dürfen weiterarbeiten und verändern sich über Monate.

Iron

Eisenpartikel im Filament. Ein Magnet haftet daran, und das Stück wiegt etwa das Anderthalbfache eines vergleichbaren Korpus aus reinem PLA.

Iron ist der einzige Ton, bei dem am Ende Rost steht statt Patina. Er wird vor dem Versand gezielt angesetzt und arbeitet danach weiter — die Oberfläche dunkelt über Monate nach.

Brass

Ein heller, warmer Messington. Frisch bearbeitet klar und gelblich, mit der Zeit ruhiger und tiefer — Messing dunkelt nach, das ist der Normalzustand des Werkstoffs, kein Mangel.

Bronze

Rund 80 % echte Metallpartikel. Ein dunkler, rötlich unterlegter Ton, der an den Kanten heller aufscheint als in den Flächen. Die Flächen werden mit der Zeit tiefer und ruhiger.

Copper

Ebenfalls rund 80 % Metallanteil. Der wärmste Ton der Reihe. Von den vier verändert er sich am deutlichsten: Die Oberfläche dunkelt nach, während die Kanten heller bleiben.

Vorher: Aus dem Drucker - Nachher: gerosteter Lieferzustand (bei Iron)

Technik in vier Schritten

1. Form

Der Entwurf entsteht am Rechner und wird so lange überarbeitet, bis Wandstärken, Übergänge und Standfläche zusammenpassen. Formen wie diese lassen sich klassisch nicht fertigen: Doppelt gewundene Wandungen und hinterschnittene Kanten kommen aus keiner Drehscheibe und aus keiner zweiteiligen Form.

2. Aufbau

Gedruckt wird mit 0,25 mm Schichthöhe und einer gehärteten Düse — normale Düsen werden von Gesteins- und Metallpartikeln innerhalb weniger Rollen ausgeschliffen.

Der Korpus entsteht aus mehreren Wandungen, nicht im Spiralverfahren. Das dauert länger, ergibt aber eine echte, durchgehend gleichmäßige Wandstärke statt einer einzelnen aufgewickelten Bahn.

Jede Lage bleibt sichtbar. Nah betrachtet sieht man die einzelnen Bahnen, aus zwei Metern eine durchgehende Textur, die um den ganzen Körper läuft.

Nicht jede Form läuft mit derselben Schichthöhe. Bei stark gekrümmten Körpern wandert sie mit der Neigung der Wandung mit — an flach auslaufenden Stellen feiner, an steilen gröber. So bleibt die Oberfläche über die ganze Form gleichmäßig, statt an den Polen abzustufen.

3. Finish

Entgraten, Bürsten, Prüfen. Nichts wird versiegelt, nichts überlackiert, nichts poliert.

Das ist eine Entscheidung, keine Auslassung: Eine Klarlackschicht würde die Metallpartikel abschließen und die Veränderung der Oberfläche verhindern, die den Reiz dieser Werkstoffe ausmacht.

4. Montage

Ein fest verbautes Glas nimmt das Wasser auf, ein Stahlkern gibt Gewicht und Stand, ein Boden aus Merino-Walkfilz schützt die Stellfläche. Bei NYX sitzt im Boden ein NFC-Chip, der zum Objektarchiv des Modells führt. Charge und Nummer Ihres Stücks stehen auf der Object Card.

Das Verfahren ist nicht neu. Was sich damit bauen lässt, schon.

Filamente mit echtem Gesteins- und Metallanteil waren lange nicht sinnvoll zu verarbeiten — sie verstopften Düsen, brachen beim Abkühlen, ließen sich nicht sauber schichten. Erst in den letzten Jahren sind Werkstoffe und Geräte so weit, dass daraus Serie wird statt Einzelversuch.

Hinter Nora Blatt steht Benjamin Gintoki. Er arbeitet seit über zehn Jahren mit dieser Fertigung — vom ersten Bausatzdrucker bis zur heutigen Serie.

Pflege

Trocken abwischen, keine scharfen Reiniger, nicht in die Spülmaschine. Das Glas im Inneren nimmt das Wasser auf — der Korpus kommt nicht damit in Berührung.

Bei Metal sind Fingerabdrücke auf frischen Oberflächen normal und verschwinden mit der Zeit.

Iron nicht trocken abreiben — die Rostschicht ist Teil der Oberfläche.