Manifest
Warum es Nora Blatt gibt
Ich habe mit Dropshipping angefangen. Der Plan: Pflanzendeko aus China weiterverkaufen. Er hielt nicht lange — ich wollte kein Zwischenhändler sein. Ich wollte etwas schaffen, das es ohne mich nicht gibt.
Also entwarf ich mein erstes eigenes Objekt: einen Bewässerungskegel aus Terracotta, für meine Pflanzen. FreeCAD habe ich mir selbst beigebracht. Danach Blender, dann OrcaSlicer, dann Materialkunde — nicht in Kursen, sondern in Jahren voller Testreihen und verworfener Versuche. Daraus wurde Nora Blatt.
Heute entstehen hier Vasen im 3D-Druck: aus Filament mit echtem Gesteinsmehl, aus biobasierten, steinfreien Biokompositen, aus Filament mit echten Metallpartikeln. Was in welchem Stück steckt, lege ich offen. Ich entwerfe selbst, ich kalibriere die Drucker, ich teste Materialien, ich arbeite jede Oberfläche nach dem Druck einzeln nach, ich verpacke jedes Objekt selbst. Nicht aus Nostalgie, sondern weil ich so für jedes einzelne Stück geradestehen kann.
Was ich glaube
Ich glaube nicht, dass Technologie und Handwerk Gegensätze sind. Ich nutze Software und KI, um Formen zu entwickeln, die sich klassisch kaum konstruieren ließen. Aber keine KI liefert ein fertiges Objekt. Was sie ausgibt, ist ein Rohzustand — den arbeite ich am Rechner aus, bis Silhouette, Proportion und Detail stimmen. Erst mit Material, Oberfläche und Gewicht wird daraus etwas Echtes. Das eine ohne das andere bleibt unvollständig.
Der Entwurf ist Kopfarbeit am Rechner. Der Druck ist Maschinenarbeit. Die Nachbearbeitung ist Handarbeit. Alle drei stehen hier nebeneinander.
Nicht das eine als das andere getarnt.
Ich glaube, dass Materialien altern dürfen. Messing setzt Patina an. Eisen rostet. Das ist kein Fehler — das ist die Lebenszeit eines Objekts. Ich verstecke diese Veränderungen nicht. Sie gehören dazu.
Ich glaube, dass Ehrlichkeit mehr zählt als glattes Marketing. Deshalb sage ich offen, wie meine Arbeit entsteht: welche Schritte digital sind, welche Handarbeit — und wo die Grenzen des Materials liegen. Nichts an Nora Blatt soll künstlich wirken.
Und ich glaube, dass gute Dinge Zeit brauchen. Ein Material versteht man nicht an einem Wochenende. Ein Objekt entsteht nicht schneller, nur weil der Markt drängt.
Was ich nicht mache
Ich arbeite nicht entlang von Trends. Nicht, weil daran etwas falsch wäre — es ist schlicht nicht meine Arbeitsweise. Ich entwerfe für Räume, in denen ein Objekt jahrelang steht, nicht für den Moment, in dem es fotografiert wird.
Was ich nicht mitmache: ein Verfahren hinter dem Wort „handgefertigt" verschwinden lassen, ein Material hochwertiger klingen lassen, als es ist, eine Geschichte vor das Objekt stellen. Deshalb nenne ich mein Verfahren beim Namen — 3D-Druck, mit allem, was danach noch dazugehört. Wer anders arbeitet als ich, macht deshalb nichts Schlechteres. Ich will nur, dass Sie bei mir genau wissen, was Sie in der Hand halten.
Und ich mache mich nicht kleiner, als ich bin. Mit 3D-Druck arbeite ich seit über zehn Jahren, das meiste davon direkt an den Maschinen — über Fehler, über lange Nächte, über Ergebnisse, die ich nicht durchgehen ließ. Diese Erfahrung steckt in allem, was ich heute entwerfe. Deshalb verlässt kein Objekt das Atelier, nur weil es „gut genug" ist.
Was ich verspreche
Eine Vase von Nora Blatt fühlt sich anders an, als man erwartet. Man merkt es am Gewicht. An der Oberfläche. An dem Moment, in dem man sie abstellt — und sie steht.
Mich interessiert vor allem, wie sich ein Objekt im echten Raum verhält: wie es Licht aufnimmt, wie es sich verändert. Ich will keine Objekte, die sich der Zeit entziehen. Ich will Objekte, die mit der Zeit besser werden.
Vielleicht stehen sie eines Tages in Räumen, die es heute noch nicht gibt.
Wohin Nora Blatt geht
Nora Blatt beginnt mit Vasen — nicht, weil es dabei bleiben soll, sondern weil jedes Atelier irgendwo anfängt. Mein Blick geht über einzelne Objekte hinaus: zu Räumen, Materialien, Atmosphären. Mit der Zeit kommen Möbel dazu, Licht, Dinge, die es unter diesem Namen noch nicht gibt.
Nicht möglichst schnell, sondern Schritt für Schritt — mit derselben Haltung, mit der die ersten Stücke entstanden sind. Ich will nicht schneller wachsen, als die Qualität erlaubt.
Was entsteht, soll bleiben können.